Raupyboard
[RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Druckversion

+- Raupyboard (https://www.raupyboard.de)
+-- Forum: Allgemein (https://www.raupyboard.de/forumdisplay.php?fid=25)
+--- Forum: Literatur und Medien (https://www.raupyboard.de/forumdisplay.php?fid=48)
+---- Forum: Fanstories (https://www.raupyboard.de/forumdisplay.php?fid=27)
+---- Thema: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) (/showthread.php?tid=9092)



[RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 12.07.2009

Ernsthaft, der folgende Text ist ab 12 oO! Wegen schlimmen Wörtern und ... echt jetzt... abgesehen davon habe ich den Text geschrieben, was Grund genug ist ihn ab 12 freizugeben ÖÖ!

Der RB Krimi
*Trommelmusik*
Von Brüsten, goldenen Raupen und Detektiven
Es war mal wieder einer diese Tage in denen einfach nichts passiert. Ihr wisst schon, man ist mit dem falschen Bein aus dem Bett aufgestanden, hat sich erst einmal den Kopf an der zu niedrig hängenden Zimmerlampe gestoßen und ist dann noch immer halb am schlafen in das Badezimmer gegangen um sich der angesammelten Last des letzten Tages zu entledigen nur um zu realisieren, dass das Klopapier aufgebraucht ist. Jedenfalls saß ich in meinem Büro und löste ein paar Sodokus, welche mir meine Verwandten regelmäßig in Sammelbänden zu Weihnachten schicken, weil sie der Überzeugung sind ich wäre ein Fan solcher Rätsel. Um das erst einmal richtig zu stellen, ich bin es nicht. Eigentlich kann ich die Dinger nicht ausstehen. Montags habe ich meistens einfach nichts anderes zu tun. Ich weiß nicht wieso, doch aus irgendeinem Grund verschwinden Montags einfach keine Leute. Nicht einmal Hunde rennen von zu Hause weg. Nun ja, am Anfang der Woche hat eben keiner Lust auf Entführungen. Ich möchte mich auch nicht wirklich darüber beschweren, denn ich habe ja meine Sudokus und eine Tasse zu heißen Kaffee. Eine Tasse seit sieben Wochen abgelaufenem Kaffee. Wenn ich wegen fehlenden Aufträgen meine Rechnungen schon nicht mehr bezahlen kann, wie soll ich dann frischen Kaffee bezahlen? Als Privatdetektiv hat man es nun mal nicht leicht.

Irgendwann um die Mittagszeit vernahm ich Schritte im Flur. Mit meinem siebten Sinn schlussfolgerte ich es wäre eine großbusige Blondine. Ehrlich gesagt muss ich da nicht mehr viel schlussfolgern. Die Räumlichkeiten neben meinem Büro gehören einem Schönheitschirurgen. Wer zu dem geht hat entweder schon D und will sich seine Dinger verkleinern lassen oder kommt mit B und verlässt ihn wieder mit zuvor genannter Größe. Dass kann ich beurteilen, weil er der Spezialist hier in der Gegend ist, wenn es um den Brust Bereich geht. Im Bett ist er eine Niete. Nein, ich habe dafür keine Beweise. Er ist es. Er muss es sein. Jemand der so viele Busen am Tag sehen darf wie er hat nicht das Recht auch noch gut im Bett zu sein.

Zurück zu den Schritten. Meine unglaublicher siebter Sinn hatte sich getäuscht. Doch was kann man von einem siebten Sinn erwarten, wenn der sechste nicht vorhanden ist? Es klopfte an meiner Tür. Als passende Reaktion spuckte ich meinen Kaffee aus. Natürlich könnte letzteres auch daran gelegen haben, dass ich mir sicher war eine Fliege verschluckt zu haben. „Herein“, bat ich während ich den Stapel „Playboy“ in meinen Schubladen verschwinden ließ. Ich bin als Detektiv eine völlige Niete. Es war keine großbusige Blondine. Gott, die Frau war auch nicht blond. Es war eigentlich auch keine Frau, sondern ein Herr in mittleren Jahren. Ende 30 würde ich sagen. „Ich brauche ihre Hilfe“, erklärte er. „Und ich brauche Geld, ich denke wir kommen ins Geschäft“, erwiderte ich breit grinsend. Der Kerl roch einfach nach Moneten. Jedenfalls hoffte ich das, ansonsten müsste ich es in Betracht ziehen das zusätzliche Geld für die Belüftungsanlage wieder zu zahlen. „Meine Name ist Iruini von Smett und ich möchte sie bitten etwas für mich zu finden“, machte er den Grund für sein Erscheinen verständlich. „Wenn das, was sie suchen, ein besserer Name ist, kann ich ihnen nicht helfen, tut mir Leid“, antwortete ich darauf. „Nun halten sie sich nicht lange mit der Vorstellung auf uns sagen sie mir was Sache ist.“ Er tat wie ich es im auftrug. Erst einmal zog er etwas aus seiner Tasche, dann nieste er. Ein Taschentuch war das Objekt gewesen, dass er heraus geholt hatte! Danach hielt er mir ein Foto vor die Nase. Darauf abgebildet war eine Art Raupe, nur noch ein wenig lächerlicher. Ich identifizierte es als eine Statue aus purem Gold. Bei einem Scharz-Weiß-Foto muss man mir das erst einmal nach machen. „Das hier müssen sie für mich finden.“ „Das Foto?“ „Nein, die Statue sie Vollidiot!“ „Klingt logischer.“ Spätestens von da an war ich mir sicher dass der Typ einen an der Waffel gehabt haben musste. Wer beauftragt schon einen Privatdetektiv um eine Statue von einer mutierten Raupe zu finden?

„Ich zahle ihnen jeden Preis“, weckte er mein Interesse wieder. „Eine Millionen“, zeigte ich ihm meine grenzenlose Bescheidenheit. „Deal“, akzeptierte er mein großzügiges Angebot. Jawohl, der Kerl war blöd. Grenzenlos blöd. „Irgendwelche Informationen über ihren Aufenthaltsort?“, erkundigte ich mich während mein uralter Drucker krächzend den Standard Vertrag auswürgte. „Dieses seltene Kunstobjekt wurde letzten Sontag aus meinem Sommerhaus gestohlen. Mehr weiß ich leider auch nicht. Die Polizei tappt im Dunkeln und alles was mir bleibt ist die Leere in meinem Herzen!“. sagte er mir alles was er wusste während er seine Unterschrift auf den Vertrag setzte und mir den ersten Scheck über 10000 PEN ausstellte. „Wann kann ich mir den Ort des Verbrechens ansehen?“ „Morgen früh wäre mir Recht.“ Er gab mir noch eine kurze Wegbeschreibung und verließ mich kurz darauf bereits wieder. Ich denke es ist klar was jeder echte Detektiv nun zu tun hatte. Mir war es jedenfalls nicht klar, also löste ich wieder meine Sudokus.

Schon früh aufgestanden erwischte ich um ca. sechs Uhr den Intercityexpress. Außer meinem Notizbuch und lebenswichtigen Kleinigkeiten wie zum Beispiel einer Nagelschere und einer Packung Tempotaschentücher hatte ich nicht dabei. Obwohl ich mich schon so früh auf den Weg gemacht hatte war der Zug randvoll. Ich erwischte gerade noch einen Sitzplatz neben einer sehr charismatischen Dame. Man konnte ihr die beiden Karrieremöglichkeiten, die sie zur Auswahl haben würde, förmlich ansehen. Bärtige Dame oder fette Lady, der Zirkus würde sie wählen lassen. Auf der anderen Seite saß eine Frau mit etwas besserer Zukunft. Anhand ihres weißen Kittels schätzte ich sie als Medizinstudentin ein. Irgendwann kamen wir beide ins Gespräch. Schon nach dem ersten Satz zeigte sie mir dass wir beide uns gut verstehen würden. „Könnten sie bitte nicht die ganze Zeit in meinen Ausschnitt gucken?“, teilte sie mir schon früh ihre innigsten Wünsche mit. „Ach sie fantasieren“, versuchte ich auf meine charmante Art das Gespräch am Laufen zu halten. „Okay. Was genau ist denn außer meinem Ausschnitt an dieser Stelle? Dass sie in die Richtung gucken können sie wohl kaum leugnen.“ „Sie haben natürlich Recht. Ihr Irrtum war verständlich. Ich möchte jedoch zuerst darauf hinweisen dass es geregnet hat und sie weiße Kleidung tragen“, machte ich ihr zu verstehen dass ich mich keines Falls angegriffen durch ihre Beschuldigung fühlte. Doch aus irgendeinem Grund sah sie nach meiner Bemerkung etwas geschockt aus. Ich führte die Unterhaltung deswegen alleine fort: „Wie sie sehen war es also nicht ihr Ausschnitt in den ich geguckt habe, sondern die Brüste selbst hatten meinen Blick gefangen.“ Die Frau hatte wohl noch etwas dringendes zu erledigen, jedenfalls verschwand sie kurze Zeit später weiter hinten im Zug. Vorher war sie aber noch freundlich genug gewesen mit einem gezielten Schlag eine Fliege zu töten, welche sich wohl auf meine Wange gesetzt hatte. Ich selbst hatte diese noch gar nicht bemerkt, doch welchen anderen Grund könnte sie gehabt haben um mich zu schlagen?

Mit ramponierten Anzug, einer schief sitzenden Fliege und nebenbei total verschwitz erreichte ich irgendwann um 8 Uhr dann mein Ziel. Man konnte schon vom reinen Anblick des Anwesens sagen, dass mein Auftragsgeber Geld hatte. Sehr viel Geld. Müsste ich dieses Gebäude mit einem Prominenten vergleichen würde ich sagen es wäre … okay, ich kenne nicht besonders viele Prominenten. Meine finanzielle Lage erlaubt es mir nicht noch mehr Strom für unnützes Zeug wie Fernsehen zu verbrauchen. Jedenfalls war das Haus groß. Abgesehen von dem riesigen Garten fielen mir noch ein paar Kleinigkeiten wie der Pool, die neun bis zehn Autos und vielleicht auch noch die Parkplätze für Bedienstete auf. Was mich an dieser Ansicht störte war einfach zu erklären. Die Polizeiwagen vor dem Tor. Entweder war hier gerade ein Drogenring aufgeflogen oder jemand war ermordet worden. Ich entschied mich dafür auf Möglichkeit Nummer 2 zu hoffen, denn dann müsste ich meinen Auftrag nicht mehr erfüllen, würde aber trotzdem das Geld bekommen.

Nun gut, es war tatsächlich jemand gestorben, was der heranfahrende Krankenwagen mir bestätigte. Einem Lebendige würde man wohl kaum die Decke über den Kopf stülpen. Als ich mich etwas näher heran schlich erblickte meine schon von Freunde erfüllten Augen jedoch Herrn Iruini wie er gerade von den Beamten vor Ort verhört wurde. Als ich sein Blickfeld betrat winkte er mich heran. Wenn mir der Vergleich erlaubt ist würde ich seinen momentanen Gesichtsausdruck als den von einem 18jährigen Mädchen beschreiben, welche gerade ihren festen Freund an eine großbusige Blondine verloren hat. Der feste Freund wäre in diesem Fall gerne ich, doch ich schweife schon wieder ab. „Guten Morgen“, begrüßte er mich mit einem aufgesetzten Lächeln. „Haben sie gut her gefunden?“ „Junge, wenn sie heulen wollen, tun sie es“, erwiderte ich. „Und gut kann man diesen Morgen schon nicht mehr nennen.“ Er folgte meinem Rat und fing an zu weinen. Ich wendete mich dem Polizeibeamten neben ihm zu, welchen ich sofort als alten Bekannten identifizieren konnte. „Moin Larto, scheiß Tag, oder?“, sagte ich zu ihm und zeigte dabei gleich wie schlecht meine Laune war. „Gib Schlimmeres, hi Shai“, antwortete er ziemlich flott. „Also, was ist hier passiert?“, begann ich mein kleines Interview sofort mit der wichtigsten Frage. „‘N Mord“, bestätigte er meine Annahme. „Ziemlich hässlich die Sache. 3 Schüsse genau in den Kopf und dazu noch einen… nun ja, du weißt schon.“ „Was weiß ich?“, zeigte ich mich sichtlich verwirrt. „In die Säcke. Der Schuss ging in die Säcke“, klärte er mich auf. „Was für ein sadistisches Arsch schießt einem Kerl in die Säcke?“, hakte ich mit weiteren Frage sofort hinterher. „Würden wir das wissen könnte ich mir Morgen frei nehmen“, seufzte mein Gesprächspartner. Gut, die Frage war wirklich dämlich gewesen. „Also, sonst irgendwas von Belang?“, entschied ich mich unsere kleine Unterhaltung zu beenden. Er dachte kurz nach, entschied sich aber dann mir einen Zettel zu überreichen. In Folie verpackt, wie man es bei der Polizei halt so macht.
Bringen sie das goldene Raupy am nächsten Sonntag
zu den Windkrafträdern außerhalb der Stadt,
sonst sind sie der Nächste.
Keine Polizei.
„Das goldene was?“, war meine erste Reaktion auf den Text. „Das ist so ein raupenartiges Ding. Die Mörder haben wohl einen an der Waffel“, klärte mich Larto erneut freundlichst auf. Ich machte schnell von ihm unbemerkt ein Foto mit dem Handy und verabschiedete mich um der Heulsuse einen kleinen Besuch abzustatten. Tatsächlich hatte sich der Mann wieder beruhigt, war aber nicht für viel Kaffeeklatsch bereit. „Sie haben den Zettel gesehen. Erfüllen sie ihre Aufgabe, es geht hier um mein Leben“, befahl er mir kurz und bündig. „Eigentlich dachte ich mir Morgen zu einem Baseballspiel zu gehen“, informierte ich ihn. „Wollen sie wirklich ihr Geld?“, fragte er grimmig. Da musste ich nicht mehr lange nachdenken und weil ich auch noch so ein netter Kerl bin bat er mich am nächsten Tag wieder zu kommen, denn für heute hätte die Polizei sein Anwesen abgesperrt. Kam mir gerade Recht, denn ich wusste schon was ich nun zu tun hatte. Exakt, in die Kneipe gehen und einen Trinken.

Kapitel 1, Ende


[RB-Fiction] Der RB Krimi - Shai - 02.08.2009

Kapitel 2
Der frühe Vogel hat wahrscheinlich einen Wecker
In meinem Stammlokal „Phoenix“ angekommen ging ich mit schnellen Schritten auf die Bar zu. Die Besitzerin der Kneipe gab mir ihren üblichen „Ach, der schon wieder“-Blick. Ich konterte mit meinen „Ach komm, du willst es doch auch“-Gesichtsausdruck. Daraufhin seufzte sie genervt und begrüßte mich. „Hast du endlich Geld oder hast du vor schon wieder deine Zeche zu prellen?“, sagte sie. „Wann bin ich schon mal abgehauen ohne zu zahlen?“, entgegnete ich ihr. „Vorgestern“, antwortete sie ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Sie seufzte erneut. Gezielt so laut dass ich es hören würde versteht sich. „Keine Sorge, du wirst dein Geld kriegen. Ich habe einen vielversprechenden Auftrag an Angel“, versicherte ich. Aus irgendeinem Grund schien sie mir aber nicht glauben zu wollen. „Ach, hat wieder jemand seine Katze verloren?“, verspottete sie mich. Doch mein Selbstvertrauen konnte man nicht so leicht brechen: „Nein, oh liebste Phoe, ein reicher Vollidiot hat mich beauftragt sein goldenes Teil zu finden!“ „Er hat seine Genitalien vergolden lassen und sie dann verloren?“, scherzte sie. „Leute, der Pleitegeier hier meint ein reicher Kerl hätte ihn beauf…“ „Ach sei einfach still und gib mir das Übliche“, unterbrach ich sie. Sie nickte und fing an mir einen Cocktail zusammen zu mixen.

Kurz bevor ich diesen entgegen nehmen konnte sprach mich mein Sitznachbar an. Er schien ungefähr in meinem Alter zu sein, vielleicht auch etwas älter. Es war zu dunkel um solche Kleinigkeiten genau auszumachen. „Sie sind also der berüchtigte betrunkene Detektiv über den sich unsere Bedienung so gerne aufregt, liege ich richtig?“, fragte er mich. „Bitte sagen sie mir nicht dass Phoe sowas über mich erzählt“, konterte ich mit einer Gegenfrage. Kein Wunder dass ich nie Aufträge kriege wenn meine so genannten „Freunde“ solch gute Werbung für mich machen. „Dann werde ich es halt nicht sagen, doch die Antwort scheinen sie schon zu kennen.“ Wir beide fingen an zu lachen. Ich aus reiner Höflichkeit und er weil er wohl schon ein oder zwei Gläser über den Durst getrunken hatte. „Shai mein Name, sehr erfreut“, entschied ich mich meinen berühmt berüchtigten Namen auszusprechen. „Ahh, sie sind also der Kerl, der die Katze meiner Cousine gefunden hat!“, erwiderte er. Ich war mir nicht sicher ob ich über diese Feststellung glücklich sein oder deswegen zum nächsten Arbeitsamt gehen sollte. „Ich bin Tyranitar, ebenfalls sehr erfreut“, stellte auch er sich vor. Danach bekamen wir beide unsere Getränke. Ich würde noch mehr von diesem Abend erzählen, aber es passierte nichts wirklich Spannendes mehr. Abgesehen davon war ich bei weitem zu betrunken um mich an irgendwas zu erinnern. Doch wieso ich am nächsten Morgen ohne Hose an einer Straßenlaterne gefesselt aufwachte würde ich schon gerne wissen. Den Nachrichten auf meinem Handy zu Folge hatte ich jedenfalls erneut vergessen zu bezahlen. Um ehrlich zu sein hätte ich dazu sowieso kein Geld gehabt. Noch nicht.

Ein kurzer Blick auf meine Uhr, welche zum Glück nicht gestohlen worden war, sagte mir dass es 6 Uhr morgens war. Ich entschied mich etwas gegen meine fast schon missliche Lage zu unternehmen. Es wäre sicherlich peinlich so von jemanden gesehen zu werden, den ich kenne. „Oh, der Herr Detektiv, was tun sie an der Laterne? Und wo genau sind ihre Hosen?“, hörte ich kurz nach dem ich aufgewacht war eine Stimme. Jemand stand hinter mir und kannte mich. Nun, eine weitere Person, die mich wohl nicht weiter empfehlen würde. Zögernd drehte ich mich um. „Tyradieter war es, oder?“, fragte ich meinen Trinkpartner vom gestrigen Abend. „Tyranitar um genau zu sein, aber viel wichtiger ist es mir gerade wie sie es fertig gebracht haben so zu enden“, antwortete er mir grinsend. „Das einzige an dass ich mich erinnere sind Brüste“, gab ich beschämt zu. „Bei der Blondine mit der sie Gestern abgehauen sind war auch nicht viel mehr als Brüste dran“, erklärte der Mann mir. Das klingt doch gar nicht so schlimm. Es war also wenigstens keine Monsterbraut oder ein Kerl gewesen. „Könnten sie mich zufällig los machen?“, fiel mir meine Situation wieder ein.

Zu meinem großen Bedauern blieb ihm nichts anderes übrig als einen Handwerker anzurufen, welcher die Kette mit einer Eisensäge durchtrennte. Hosen brachte dieser mir aber nicht mit. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher ob ich in eine Hose von dem Kerl hinein gepasst hätte oder eine von seinen Hosen gewollt hätte. Doch es war noch früh und Tyra, wie ich ihn inzwischen nannte, fuhr mich nach Hause. Dort angekommen fand ich mich nicht fähig nochmal schlafen zu gehen, weswegen ich mich an meinen Laptop setzte und mit meiner Arbeit beging. Um ca. 11 Uhr entschied ich mich eine Pause zu machen. Solitär kann zwischendurch richtig fordernd werden.

Schon wenige Sekunden später bekam ich einen Anruf von meinem guten alten Freund Iruini von Smett. „Ich hätte einen Hinweis für sie“, sagte er. „Eines meiner Hausmädchen hat beim einkaufen ein paar zwielichtige Leute mit einer Box in der passenden Größe am Hafen gesehen.“ „Wieso kauft eine ihrer angestellten am Hafen ein? Und was kauft sie dort?“, fing ich sofort mit der wichtigsten Frage an. „Tintenfische.“ „Bei uns am Hafen haben sie Tintenfische?“ „Ja, haben sie, aber darum geht es nicht.“ „Doch, ich mag Tintenfische sehr gerne. Vor allem mit einem guten Weißwei…“ „Bleiben sie ernst!“, unterbrach er unsere kleine Diskussion jedoch als es ihm zu weit ging. „Das Paket wurde auf die „Libiskuss“ verladen. Sehen sie sich die Sache bitte an“, sagte er noch bevor er auflegte. Es stimmt also das der frühe Vogel den Wurm fängt. Wäre ich später aufgestanden hätte ich vielleicht diesen unglaublich produktiven Anruf verpasst. Eine Schande wäre das gewesen.

Nun, selbst wenn ich die Hinweise nicht für wirklich viel sagend hielt machte ich mich zum Hafen auf. Leider hatte er gute Herr von Smett versäumt mir zu sagen wo genau am Hafen, weswegen ich ewig hin und her lief. Meine Füße taten weg, mein Magen knurrte und ich verfluchte mal wieder die Tatsache dass ich mein Auto pfänden musste um nicht aus meinem Apartment zu fliegen. Einen bösen juckenden Sonnenbrand auf meiner Nase später hatte ich das besagte Schiff gefunden. Ich weiß nicht genau wie Verbrecher ticken, aber ich habe noch nie etwas gesehen, dass so offensichtlich zur Mafia gehört. Auf dem Deck saß ein Kerl mit einem Maschinengewehr. Es war so als würde der Autor der Geschichte meines Lebens keine Lust haben genauer zu beschreiben wie ich auf die Idee kam die Sache genauer zu untersuchen. Ich war schon immer ein etwas komplizierter Mensch, so fand ich es zu einfach die Treppe nach oben zu nehmen. Abgesehen davon war es mir lieber den Tag ohne irgendwelche weiteren Löcher zu beenden.

Nach wenig Überlegung hatte ich die ideale Möglichkeit gefunden unbemerkt auf das Schiff zu kommen. Der Plan war zum Anker zu schwimmen, dessen Leine hinauf zu klettern und durch ein Bullauge an der Seite in das Innere zu gelangen. Ich war kurz davor meine Idee auszuführen als ich Geräusche vernahm. Schon das 2. Mal diesem Tag war jemand hinter mir aufgetaucht. „Uhm, entschuldigen sie, wissen sie wo hier eine Toilette ist?“, fragte der Schiffswächter mich. Das eine Mal in meinem Leben hatte die Göttin des Glücks also nicht aufgepasst und mir einen kleinen Funken Hoffnung gegeben. „Ja, gehen sie einfach immer weitere nach Norden. Irgendwann kommt dann eine Kneipe“, antwortete ich. Er bedankte sich und rannte in die von mir genannte Richtung davon. Sobald er aus meiner Sicht verschwunden war ging ich seelenruhig die Treppe hinauf auf das Deck. Selbst das Maschinengewehr hatte der Typ da gelassen. Die Mafia ist auch nicht mehr das was sie mal war. Oben angekommen sah ich mich um. Dort waren um die eintausend Kisten. Wie genau hat sich Iruini das vorgestellt? Erwartete er von mir jede einzelne aufzubrechen?

Ich hatte nicht viel Zeit mir darüber Gedanken zu machen. „So, so, der feine Herr hat also seine Handlanger geschickt um meine Pläne zu verhindern!“, ertönte eine tiefe Stimme über die Lautsprecher. Es folgte ein etwas unangenehmes Gefühl an meinem Hinterkopf. Jemand hatte mich zu Boden geschlagen. Alles um mich herum wurde schwarz. Doch kurz bevor ich das Bewusstsein verlor vernahm ich noch etwas: „Sie sind der schlechteste Detektiv der Welt, oder?“ Ich wollte „Nein, der Kerl aus der Fratösichen-Straße ist noch um einiges schlimmer“ antworten, doch ich bekam kein Wort mehr heraus. Sollte ich wirklich so sterben? Gut, eigentlich kann man an der Tatsache dass ich das alles hier erzähle entnehmen dass es nicht so war, doch ignorieren wir diese Tatsache einfach mal.


RE: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 22.08.2009

Ich weise hier mal lieber erneut auf die Freigabe ab 12 hin.
Kapitel 3
Wenn sie es nicht haben, er es nicht hat und ich danach suche, worum geht es dann eigentlich?
Als ich wieder zu mir kam vernahm ich einen strengen Geruch, von dem ich lieber gar nicht wissen wollte von was er stammte. Man hatte mir meine Hände auf dem Rücken zusammen gebunden. Nebenbei war ich an einen Stuhl gekettet. Wieso ist eigentlich alle Welt der Meinung mich irgendwo anketten zu müssen? Es ist nicht so als würde von mir irgendeine Gefahr ausgehen. Ich habe ja nicht mal einen Waffenschein. Dieser war mir nämlich einige Wochen zuvor abgenommen worden. Diese etwas peinliche Situation möchte ich nicht genauer erläutern. Wichtig ist nur dass niemand dabei gestorben ist.

Nachdem ich dort also mehrere Minuten einsam und allein in dem müffelnden und dazu auch noch stockfinsteren Raum saß ging plötzlich und ohne Vorwarnung das Licht an. Der Gestank war nun völlig verständlich. Denn ich hatte mich mal wieder geirrt. Es war kein Stuhl, jedenfalls keiner auf dem man normalerweise mit Hosen sitzt. Wobei, vielleicht gibt es ja Menschen, die mit Jeans auf Toilette gehen. Eine Hose mit Loch für den Hintern, das wäre revolutionär. Wobei ich dann doch darauf verzichten könnte, denn keiner will den ganzen Tag auf die Gesäße seiner Mitmenschen sehen müssen. Ich korrigiere mich. Fast keiner. Ein paar Verrückte gibt es schließlich immer.

Kurz nach dem Einbruch er Erleuchtung über mir kam jemand in das kleine Badezimmer hinein. Ich kannte dieses Gesicht, doch mir wollte einfach nicht der Name einfallen. „Herr Tyramiete war es?“, fügte ich aus den letzten übrig gebliebenen Stücken meiner Erinnerung zusammen. Mein Trinkpartner vom gestrigen Abend schüttelte den Kopf. „Wie blöd sind sie eigentlich? Tyranitar. Mein Name ist Tyranitar“, stellte er sich erneut vor. Wegen meiner freundlichen und ruhigen Art fühlte ich mich deswegen kein wenig angegriffen. „Das geht mir sonst wo vorbei. Wieso haben sie mich an ihr Klo gebunden?“, konterte ich schnell mit einer Frage. Er schenkte mir einen wütenden Blick und antwortete: „Als ob sie das nicht selbst wüssten! Mit ihren detektivischen Fähigkeiten dürfte es nicht lange gedauert haben!“ „Sie wollen mich doch nicht ernsthaft auf der Toilette eines Frachtschiffes vergewaltigen?“, erwiderte ich geschockt. „Spielen sie nicht dumm! Es geht natürlich um das goldene Raupy!“, erklärte er mir, was ich angeblich schon wissen müsste. Ich war beeindruckt was für ein guter Detektiv ich doch wahr. Wie schnell ich heraus gefunden hatte worum es ging. „Ich verstehe kein Wort“, sagte ich unter dem Motto „Wahrheit währt am längsten.“ „Pff, sie wollen also herausfinden ob ihre Theorie stimmt? Einverstanden. Dann spielen wir halt ihre kranken Spielchen!“, entgegnete er mir mit einem Seufzer. „Wissen sie, durch Sätze wie diesem und der Tatsache dass ich an eine Kloake gebunden will hilft nur dem Eindruck, dass…“, kam ich nochmal auf ein früheres Thema zurück. Er unterbrach mich aber in der Mitte meines Satzes: „Ich will nichts sexuelles von ihnen!“ „Gut, denn ich bin 100%ig Hetero“, sagte ich erleichtert.

Ein Schuss ging los und eine Kugel bohrte sich in die Wand neben mich. „Sir, das dauert hier viel zu lange“, grummelte eine in weiße Kleidung gehüllte Frau. Sie sah einem Schaf recht ähnlich, doch ich behielt das für mich, denn mit den natürlichen Waffen ihres Geschlechtes und der Pistole wäre sie mir in einem Kampf klar überlegen gewesen. „Bringen sie das schnell hinter sich, wir brauchen diese Skulptur so schnell wie möglich“, fauchte die Dame Herrn Tyra… , wie auch immer sein Name weiterging, an. „Bin ja dabei, bin ja dabei“, beruhigte er seine Untergebene, wie ich sie schnell identifizieren konnte. Es war wegen der Anrede mit „Sir“ zwar kein Kunststück gewesen, doch ich war stolz auf mich.

„Also Herr Shai, wir wissen dass sie von Baron Smetti von Iruni…“, beging er, bis ich ihn auch schon unterbrach. „Meinen sie nicht Iruni von Smett?“, verbesserte ich ihn. Dabei konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wie konnte man so einen dummen Fehler machen? „Nein, Herrn Baron Smetti von Iruni. Der Name unter dem er sie angestellt hat ist ein Fake“, klärte Tyra mich auf. „Das Geld auch?“, fragte ich ihn. Meine Stimme dabei muss etwas enttäuscht, wenn nicht sogar verzweifelt geklungen haben. „Wahrscheinlich. Doch hören sie endlich zu…“, versuchte der arme Mann erneut mir sein langweiliges Geschwafel aufzuschwatzen, als ich ihm wieder ins Wort fiel: „Ich kriege kein Geld? Dann binden sie mich los! Ich hau ab. Damit habe ich nichts mehr zu tun.“ Erneut bohrte sich ein Schuss in die Wand neben mir. Diese Frau hatte wirklich Temperament. Doch ich würde sie deswegen lieber zu einem Psychologen schicken als sie zu loben.

Wegen diesen völlig verständlichen Argumenten entschied ich mich zuzuhören. „Nun, wie ich schon sagte wissen wir weswegen sie hier sind. Sie sollten uns also auswendig machen damit die Polizei uns stellen kann! Und das alles nur damit wir das goldene Raupy von Herrn Smetti nicht stehlen können. Ein gewiefter Plan, das muss man dem Baron schon lassen. Aber wir haben sie durchschaut!“, fasste er sich doch kürzer als ich es erwartet hatte. „Eigentlich weiß ich nicht mal welchen Grund ich hätte haben sollen um nach ihnen zu suchen“, zeigte ich mich von meiner ehrlichen Seite. Meine Peiniger schienen verwirrt. „Was meinen sie mit „Welchen Grund“? Es war ihr Auftrag, oder?“, schrie mir der Mann ins Gesicht. „Beruhig sie sich, Sir“, bat die Frau, welche ich nun scherzhaft „Madame de Schafi“ getauft hatte, ihren Chef. „Mein Auftrag war es dieses komische Raupending zu finden“, klärte ich die beiden über meine Mission auf. Würde ich kein Geld bekommen konnte ich auch auf das Geheim halten von Geheimnissen pfeifen. Danach schwiegen wir uns an. Die Ruhe beunruhigte mich. Wobei es auch der strenge Geruch hätte sein können. Ich war mir nicht ganz sicher.

„Dann haben wir keinen richtigen Grund sie gefangen zu halten! Sie haben alles ruiniert!“, wurde ich ein weiteres Mal von dem Kerl aus der Bar angeschrien. „Dann lassen sie mich halt gehen!“, fauchte ich zurück. „Ich habe eine bessere Idee“, wandte sich die weiß gekleidete Frau wieder ein. „Er könnte doch für uns herausfinden ob der Baron wirklich nach unserem Raupy sucht“, schlug sie vor. „Darf ich dann von dem Klo runter?“, fragte ich sie mit einer ernsten Stimmlage. „Ja“, erwiderte sie. „Bin dabei“, meldete ich mich für den Job. Auch Herr Tyranitar schien nichts gegen den Vorschlag zu haben.

Wenige Sekunden später waren meine Fesseln gelöst und ich rieb mir meine wunden Handgelenke. „Also, wir werden es so…“, hörte ich Schaf noch sagen bevor ich Tyra auch schon in den Bauch geschlagen hatte. Er taumelte aus dem Raum hinaus in Richtung seiner Partnerin. Geschickt landete ich einen Tritt gegen sein rechtes Bein worauf er nach hinten umkippte genau auf Madame Schafi. Anstatt noch lange nachzudenken nahm ich die Beine in die Hand und fing an zu rennen. Wortwörtlich. Ich packte Tyras Beine und zog ihn hinter mir her. Hinter mir vernahm ich das Fluchen der Frau, doch ich hatte was ich wollte. Meine Freiheit und einen Typen zum verhören. Geschickt trat ich die schwere Schiffstür auf und ran aufs Deck. Dort angekommen durchsuchte ich die Taschen meiner Geisel und fand eine Waffe. Diese legte ich an seinem Kopf an und überzeugte ihn so ohne lange Wiederrede mit mir mit zu kommen. Ich wundere mich jetzt noch wie der Kerl es geschafft hatte über den Boden des Schiffes geschleift zu werden ohne das Bewusstsein zu verlieren.

Als wir das Hafenviertel verlassen hatten wurden auch die wütenden Schreie unserer Verfolgerin leiser und verklangen schließlich im dunkeln der Nacht. Am Ende meiner Kräfte entschied ich mich einem alten Freund einen Besuch abzustatten. Wer könnte besser in Sachen Verhören helfen als ein Polizeioffizier? Larto würde zwar wieder seine nervigen Fragen stellen, doch wenigsten war er gelernt darin die Klappe zu halten wenn es um was wichtiges ging. Bei seinem Boss hatte er mich noch nie verpfiffen und bei der Menge von Dingen, die ich falsch mache, ist das ein Wunder. Mit den Worten „Larto, such eine Lampe!“, begrüßte ich ihn als er mir nach langen Dauerklingen die Tür seiner Wohnung öffnete.


RE: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 08.09.2009

Kapitel 4

Es ist so als würde Gott mir mit voller Absicht ins Gesicht spucken
Ich bin mir nicht sicher ob Larto so reagierte, weil wir uns schon so lange kannten, aber er tat ohne lange darüber nachzudenken worum ich ihn gebeten hatte. Während er in seiner Rumpelkammer nach einem Seil suchte führte ich meine Geisel in Lartos Wohnzimmer und platzierte ihn auf einem Stuhl. Auf dem Esstisch stand noch eine aufgewärmte Nudelsuppe, welche ich zu gerne verspeist hätte, doch gerade als ich nach dem Löffel greifen wollte kam der Eigentümer des Fertiggerichtes mit dem gewünschten Strick und einer Lampe zurück. „Wehe der hier hat schon wieder nichts verbrochen“, murmelte er genervt als er Herrn Tyranitar am Stuhl festband. „Ich bin völlig unschuldig“, antwortete der Gefangene ohne lange nachzudenken. Ich zog eine Augenbraue hoch und erwiderte: „Mich auf ihrer Toilette festzubinden war also was jeder normale Bürger tun würde?“ „Warte mal, verhören wir ihn jetzt wegen sexueller Belästigung?“, fragte mich Larto. „Weißt du, eigentlich bin ich mir da nicht so siche...“, fing ich an ihm eine Erklärung zu präsentieren, aber Tyra kam mir mit einem lauten „Nein!“ zu vor.

Wenige Minuten später war unsere Werkstadt der Qualen fertig aufgebaut. Hämisch lächelte ich in Richtung des Festgebundenen. „Heißt das Grinsen du willst schon wieder „Böser Cop, Irrer Cop“ durchziehen?“, seufzte mein kurzfristiger Mitarbeiter. Ich stimmte in seinen Seufzer ein: „Nein, der Verlust meiner Waffe hat mich besseres gelehrt.“ Also entschieden wir uns ihm einfach so lange mit der Lampe ins Gesicht zu leuchten bis er auspacken würde. Ich persönlich wollte ihm noch die Füße kitzeln, doch Larto drohte mich wegen seelischer Grausamkeit vors Gericht zu bringen. Nach ungefähr 10 Minuten, in denen ich mit meiner Taschenuhr herumgespielt hatte fing Tyranitar an zu plaudern: „Sie realisieren dass das hier völliger Schwachsinn ist?“ „Ja, aber es ist schon spät und ich bin nicht in der Stimmung mich in irgendeiner Art anzustrengen“, beschrieb ich ihm meine Ansicht der Situation.

Doch mir wurde meine Chance genommen ihn doch noch mit einer Feder in die Reiche des erzwungenen Lachens eintreten zu lassen. Es klingelte an der Tür. Durch die Anwesenheit der Nudelsuppe erkannte ich sofort dass Larto jedenfalls keine Pizza bestellt hatte. Gerade als ich „Wer da?!“ rufen wollte hatte mein naiver Freund der Hausbesitzer die Pforte in seine Wohnung schon geöffnet. Ich rannte so schnell wie möglich ebenfalls in den Eingangsbereich um zu sehen wer dort hinein gekommen war. Dies stellte sich wie schon so oft als schlechte Entscheidung heraus. Ich konnte nicht mehr als die Gestalt einer Frau ausmachen bevor ein Schuss viel und meine Schulter von einem Projektil durchbohrt wurde. Als mein Bewusstsein langsam schwand hörte ich noch wie Larto einen Schmerzensschrei austieß, woraus ich schloss dass wir beide in der selben Zwickmühle gelandet waren.

In dem Moment an dem ich meine Augen vor Schreck aufstieß fand ich mich auch schon in einer Art Fabrik wieder. Die Situation kam mir bekannt vor, denn schon wieder war ich auf einem Toilettensitz festgebunden. Verwirrend war daran nur dass dieses Klo in der Mitte des Raumes stand. Ein paar Blicke durch die Gegend klärten das Rätsel auf. Es war eine Fabrik für Badezimmereinrichtung. Doch überall wo sich Nebel lichtet erkennt man neue Gründe zum Nachdenken. Dass ich auf einer Toilette neben mir Larto erspähte verwunderte mich nicht, doch dass Herr Tyranitar ebenfalls auf einer Porzellansitz festgebunden war mache für mich keinen Sinn.

Doch ich musste mir auch nicht lange meinen Kopf zerbrechen, was wegen den höllischen Schmerzen in meiner Schulter auch nicht besonders leicht gewesen wäre. Wenigstens war irgendwer so freundlich gewesen und hatte die Blutung gestillt. „Sie fragen sich sicher wieso sie noch Leben, nicht war?“, ertönte eine Stimmte. Ich konnte nicht ausmachen von wo genau sie kam, doch es waren sicher Lautsprecher im Spiel. Erst als ich antworten wollte viel mir das um meinen Mund gewickelte Paketband auf. „Ihre kläglichen Versuche das goldene Raupy zu finden waren am Ende wohl doch alle sinnlos!“, verspottete mich der Unbekannte weiter. Ungefähr ab diesem Punkt entwickelte ich einen unbeschreiblich großen Hass auf diese schwachsinnige Skulptur.

Dann sah ich eine Gestalt vor mir auftauchen. In seiner Hand eine mir nur von Fotos bekannte Statue. Das goldene Raupy. Ehrlich gesagt war ich mir nicht sicher wieso irgendjemand das Teil haben wollte. Es das aus wie ein Briefbeschwerer und war ungefähr so dekorativ wie ein an die Wand genageltes Schinkenbrötchen. „Ich wusste auf sie ist Verlass, Herr Shai“, vernahm ich eine weitere Stimme. Mir fiel sein Namen nicht mehr ein, doch ich wusste er hatte irgendwas mit großblusigen Blondinen zu tun. „Was tust DU hier, Iruini!“, schrie mein Entführer meinen Auftragsgeber an. Das war eine sehr gute Frage. Denn ehrlich gesagt hätte ich das auch gerne gewusst. „Nun, ich habe erst an den Fähigkeiten gezweifelt...“, beging er seine Erklärung. Wieso zweifeln immer alle an mir? Ich bin sehr zuverlässig. „... Doch als meine Kontaktleute mir mitteilten dass dieser brillante Detektiv schon zum zweiten Mal von Unbekannten gekidnappt wurde, war ich mir einfach sicher, dass er mein geliebtes Raupy finden würde!“ Mir war der Erfolg meiner Mission schon von Anfang an klar gewesen. „Nur schade dass ich ihn nun umbringen muss“, fügte Herr Iruini noch hinzu. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher dass Gott sich gerade über mich lustig machen wollte.

„Das kann ich nicht zulassen!“, tauchte eine weitere mir bekannte Person auf, welche sofort mit ihrer Waffe an Iruinis her vorbei schoss. Danach band sie Tyradieter los, welcher gleich aufsprang und sich bei Madame le Schafi bedankte. Vielleicht sollte ich diese tatsächlich nach ihrem Namen fragen. „Dieser Mann hat uns schließlich zu ihnen geführt!“ Ich muss ein so guter Detektiv sein, dass ich diesen ganzen Fall gelöst hatte ohne es zu merken.

„Hört auf mich, den genialen SSJ Master, zu ignorieren!“, stellte sich endlich auch der neueste Übeltäter vor. Der Rest der Gruppe fing nun an hysterisch zu lachen. Man hörte Dinge wie „Was für ein süßer Künstlername“ und andere Gemeinheiten. Ich dagegen fühlte Mitleid für den armen Kerl. Langsam fragte ich mich wirklich was noch alles kommen konnte.

So weit ich es erkennen konnte zielte mein ehemaliger Chef auf mich, Frau Schafi auf diesen und der Typ mit dem merkwürdigen Namen auf Larto, weswegen auch immer. Dazu kam noch Herr Tyra, welcher ebenfalls auf SSJ zielte. Dies führte zu einer etwas angespannten Situation. Doch natürlich hatte ich schon einen genialen Plan. Leider Bestand er noch nicht aus viel mehr als Schritt 3. Dieser dagegen war voll ausgeplant. Ich würde zusammen mit Larto einen trinken gehen.


RE: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 11.09.2009

Kapitel 5
3 Engel oder jedenfalls so was ähnlich, für Shai
Die Luft im Raum war hauch dünn, was nicht an der Stimmung lag, sondern daran dass die Belüftung nicht funktionierte. Woher ich das wusste? Weil mir langweilig war. Es ist schwierig sich zu beschäftigen wenn man nicht reden kann und jemand eine Waffe auf dich hält. Außerdem war es nicht schwer zu erkennen, die Plastikstreifen, welche sich normalerweise in der Luft hin und her bewegten, hingen schlaf an der Anlage herunter. Die vorher beschrieben Situation zog sich nun schon ewig hin. Egal wer zuerst seine Waffe abfeuern würde, könnte sich auf eine Ladung Blei in seinem eigenen Körper gefasst machen. Natürlich wollte keiner von diesen Größenwahnsinnigen ein solchen Risiko eingehen.

Auch Larto war inzwischen wieder aufgewacht. Sein Blick ähnelte dem der anderen. Nur leider hatte auch er keine Waffe. Da half wirklich nur beten. Ich tue solche Sache nicht oft, denn wenn ich es tue bedeutet es meistens dass ich nicht fähig bin ohne Hilfe zu tun. Doch manchmal hilft es einfach nichts. Ich hielt mich auch entsprechen kurz: „Hoi, Shai hier, ich weiß, wir waren nie besonders gute Freunde, aber könntest du nicht zufällig ein paar Deckenbalken runter fallen lassen? Es müssen auch nur ein oder zwei sein, gerade so dass all diese Irren erschlagen werden. Danke für deine Hilfe.“ Gerade als ich fertig geworden war fiel ein Schuss. Ich bewegte meinen Kopf hektisch hin und her um herauszufinden wer geschossen hatte, doch auch die Bewaffneten sahen sich um. Dem ersten folgten weitere. Irgendein Unbekannter war im Raum und besaß dazu noch eine Waffe. Zielen konnte er anscheinend nicht, doch der Gedanke zählt. „SSJ Master“ versteckte sich hinter einem Haufen Paketen, Chefchen sprang hinter irgendeiner Maschine in Deckung und das Deppenduo nahm mich als Schutzschild. In diesem Moment war es, dass ich beschloss nie wieder in einer solchen Situation zu beten. Doch ich würde wieder zur Kirche gehen, so viel war sicher.

Eine Sache kam mir daran aber spanisch vor. Die Geräusche waren von mehreren Seiten her zu vernehmen und es war sicherlich nicht die Schuld eines Echos. Dazu waren zu viele Fenster weit geöffnet. Erneut eine Tatsache, welche mir nicht ganz geheuer war. Wo befand sich die Lagerhalle, dass trotz Schussgeräuschen niemand die Polizei rief? Wahrscheinlich hatte man mich zu irgendeinem Ort am Ende der Welt verfrachtet. Ich hätte halt doch Lehrer werden sollen. Als Lehrer hätten mich keine machtbesessenen Bandenmitglieder versucht umzubringen. Da hätte ich mich mit stinknormalen Badenmitglieder rumschlagen können. Vielleicht hätte ich dann sogar meine Stromrechnung bezahlen können.

Von einem Moment auf den anderen fielen keine Kugeln mehr. „Shit“, rief irgendwer in Richtung Ausgang. Erst jetzt sah ich dort eine weibliche Gestalt mit einem Gewehr sitzen. Doch „sitzen“ würde sie nicht mehr lange. Tyranitar eröffnete ohne weiteres Zögern das Feuer auf sie, so wie auch Herr Iruini und Mr. Künstlername. Wären sie nicht so sehr aufs Überleben fixiert hätten sie vielleicht bemerkt wie eine weitere junge Dame sich von hinten anschlich und Larto losband. Ich identifizierte sie als das Mädchen aus der Bahnfahrt am Anfang dieses Falles. Sicherlich wurde sie von ihrer unsterblichen Liebe zu mir angetrieben. Oder sie gehörte zur Polizei, was durch das Abzeichen auf ihrer Brust logischer erschien.

Auch ich entschied mich nun zu handeln. Mein durchdachter drei Punkte Plan trat ohne weitere Verzögerung in Kraft. Schritt 1 war der gefährlichste dabei. Ich fing an mit meinem Stuhl zu kippeln. Wer mehr von mir erwartet hat sollte sich meine Geschichte bis hierhin noch einmal durchlesen. Während ich dabei war mir einen Schritt 2 zu überlegen verlor ich das Gleichgewicht und knallte auf die beiden freundlichen Menschen, welche hinter mir Deckung gesucht hatten. Das geschah ihnen so Recht. Nun trat auch mysteriöses Mädchen Nummer 1 in Aktion. Da sie hinter den Paketen, bei SSJ Master, auftauchte konnte ich nicht viel mehr als ihr nussbraunes Haar erkennen. Doch der laute Schrei war Genugtuung genug. Sie hatte dem Mistkerl eins mit dem Gewehr übergebraten. Nun war nur noch einer übrig, die Wurzel allen Übels. Von meiner Sicht der Dinge betrachtet jedenfalls. Gerade als er sich aufgerichtet hatte um zu triumphieren durchbohrte etwas seine Brust und er fiel zu Boden. Ein ziemlich kleines, leicht zu übersehenes Mädchen hatte hinter ihm gestanden.

Kurz darauf band man mich los und dankte mir. Ich war verwirrt, doch zeigte es nicht. „Sie haben keine Ahnung weswegen wir ihnen danken, richtig?“, fragte mich meine Bahnbekanntschaft. Ich war noch nie gut darin gewesen meine Emotionen zu verstecken. „Also haben sie am Abend in der Bar einen über den Durst getrunken, richtig?“ „Bar?“, antwortete ich mit einer Gegenfrage. „Sie haben alles vergessen? Wir hattn uns an dem Abend getroffen. Ich habe ihnen unsere Mission näher gebracht und sie darum gebeten uns zum Versteck der Verbrecher zu führen“, erklärte sie. Ich war durcheinander und da ich vorher schon nicht ganz bei Sinnen gewesen war kam mir nun alles noch verwirrender und surreal vor. „Sie wollten uns helfen“, wiederholte sie sich. „Natürlich wollte ich das! Sie dachten doch nicht wirklich ich hätte so etwas vergessen, oder?“, log ich sie mit breitem Grinsen an. „Sie sind das Letzte“, lobte sie mich. Wartet, das war kein Lob gewesen. Also gab es weder Geld noch Moneten am Ende des Falles, doch hatte ich etwas dazu gelernt. Mein Leben war noch schlimmer als ich es gedacht hatte.

„Vernachlässigen sie niemals ihre Deckung!“, durchbrach jemand mein Happy End. Es war der 08/15 Übeltäter, SSJ! Er hielt seine Waffe in Richtung der Polizistinnen. Heldenhaft entwaffnete ich eine von diesen und schoss den Irren nieder. Wenigstens einen Erfolgsmoment hatte ich verdient. „Dir ist klar, dass du keinen Waffenschein mehr hast, oder Shai?“, riss Larto mich zurück in die Realität. „Waffe, welche Waffe?“, sagte ich, mit meinem normalen, leicht irren Lächeln.

Danach verlief alles zu schnell um sich an alles zu erinnern. Die Verbrecher wurden abgeführt, das goldene Raupy in ein Museum gebracht und ich erhielt eine Medalie für Heldentum. Doch pleite bin ich noch immer. Ich hasse mein Leben. Ich hasse es ja so sehr.
The End


Ich bedanke mich für die vielen positiven Kritiken und entschuldige mich für die Länge der Geschichte. Ich habe noch nie einen Krimi gelesen, so gingen mir irgendwann die Ideen aus. Hoffe das Ende hat trotzdem die Geschmäcker meiner Leser getroffen.
Nette Grüße, Shai



RE: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 27.12.2009

Der RB Krimi
Special Case:
Das Neujahrsspektakel

Mein letzter Fall lag schon einige Monate zurück, doch immer noch lag er mir schwer im Magen. Selbstverständlich könnte das auch der grässliche Gefängnisfraß gewesen sein. Ich habe jetzt die Überraschung weggenommen, oder? Ja, der Grund dafür, dass ich so stark über den Fall nachdachte war nicht weil er mir irgendwas bedeutete. Unter uns, ich war nicht bezahlt worden, also war er mir egal. Ich dachte viel mehr daran, weil ich einfach nichts anderes zu tun hatte. Ich bemitleide Schwerverbrecher. Die armen müssen spätestens nach einem Jahr völlig durchdrehen. Apropos “Jahr”. Es war der 26. Dezember, kurz vor Neujahr. Im Knast saß ich allerdings schon seit Weihnachten. Ich war betrunken Auto gefahren und direkt in eine Bäckerei geknallt. Anstatt nur keinen Waffenschein habe ich jetzt also auch keinen Führerschein mehr. Selbstverständlich noch die Lizenz zum blendend gut aussehen, aber ich schweife ab. Wegen einem Autounfall ohne Verletzte sitzt man normalerweise zwar auf der Polizeistation, aber nicht für fünf Tage im Gefängnis, wenn ihr das schon bemerkt habt dürft ihr euch jetzt selbst auf die Schulter klopfen. Ich warte solange. Fertig? Gut. Also gab es noch eine zweite Anklage gegen Meisterdetektiv Shai.

Mord und Vergewaltigung einer 25jährigen (ich schätze mal sie sah ganz gut aus, Fotos wollte man mir nicht zeigen). Mal ganz nebenbei weiß ich bis heute nicht ob sie zuerst umgebracht oder vergewaltigt wurde. Man wird auch über gar nichts mehr informiert. Da nicht nur ich sondern auch mein Anwalt zur damaligen Zeit der Meinung sind, dass es besser ist dabei zu bleiben, dass ich es nicht getan habe und das auch stimmt, versichere ich euch also meine Unschuld. Die Gerichtsverhandlung am folgenden Tag sollte jedoch erst darüber entscheiden. Ich war guter Dinge. Ich hatte nichts getan, hatte in meinem Leben verhältnismäßig wenige Menschen angeschossen und noch wenigere umgebracht, war nur wegen einer Kleinigkeit vorbestraft.... Okay, es sag nicht wirklich so aus als hätte ich die geringste Chance das Licht noch mal ohne den Ausblick auf Gitterstäbe betrachten zu dürfen. Warum ich also guter Dinge war? Wegen meinem Anwalt. Wir waren und sind langjährige Freunde und ich war mir so sicher er würde dem Gericht haargenau erklären, dass ich ein Engel in Menschengestalt bin, dass er mir schon wie ein von Gott gesandter Messias erschien. Ich habe ihm das vor der Verhandlung aber nicht gesagt. “Glück” war auch ein wichtiger Faktor in der Verhandlung und wenn ich irgendwelche dahergelaufene Saufkumpanen von mir als Gottes Söhne bezeichnen würde, hätte Gott es mir nie im Leben gewährt. Ich bin halt ein sehr gläubiger Mensch. Jedenfalls solange ich Glück, Geld oder Griechinnen will. Nicht zwingend Griechinnen..., Italienerinnen, Französinnen, Spanierinnen, alles sehr schöne Frauen... Deutsche Mädchen können auch nicht schaden.... Worauf wollte ich hinaus?

Am Morgen der Verhandlung wurde ich leicht nervös. Sollte man euch davon erzählt haben wir ich mich in das Kissen verbissen habe und nach meiner Mutter geschrieen habe, das ist eine Lüge. Es war die Matratze. Mein Anwalt, Mr. Florian Black, hat sich schon um ca. 5 Uhr mit mir in meiner Zelle getroffen, da er wenn ihr mich fragt eine Art Vampir ist und so früh wie möglich mit seiner Arbeit beginnt. Wahrscheinlich mag er einfach nur Kaffee. Wie es von einem meisterhaften Detektiv wie mir erwartet, war ich aber schon wach, da ich ihn komplett durchschaut hatte und aus der Zeit bei der er mich am Vortag alleine gelassen hatte und seinen Hobbys den genauen Zeitpunkt seiner Ankunft kombiniert hatte. Oh, und ich wollte “Scrubs” gucken und das läuft halt in der Gegend schon sehr früh. Ich verpasste es aber, da mein Zellennachbar “Kochen mit Frau Gruber” sehen musste. Man könnte von jemanden, der seine ganze Familie auf dem Gewissen hatte eine andere Programmwahl erwarten, aber ich will hier ja niemanden kritisieren.

Da war also mein Anwalt, der Mörder und ich, minus dem Mörder, welcher während meinem Gespräch mit Florian hinaus geschickt worden ist. Eines muss man ihm lassen, Mr. Black war nicht von Gestern und hatte alles wichtige mitgebracht und machte sich mit mir direkt an die Vorbesprechung. “Du bist ja so was von erledigt”, teilte er mir mit. Das fand übrigens 0,2 Sekunden vor der Sache mit der Matratze statt. Als ich mich wieder beruhigt hatte erklärte er mir seinen Notfallsplan für die Sache: “Plädiere auf unschuldig, sag du bist unschuldig, denke du bist unschuldig und sollte das alles nicht hinhauen: Schlaf mit dem Richter.” Gut, das sagte er nicht wirklich. Er schlug irgendwas von wegen “Gutes im Menschen” vor und ich tat so als würde ich ihm zuhören. Ich bin halt ein Mensch des Momentes, was kann ich dafür? Als er schließlich ging murmelte er etwas von wegen: “Wenn das mal gut geht...”. Meine Hoffnung lag darauf, dass er sein im Ofen zurückgelassenes Frühstück meinte. Hey, ihr zweifelt daran, ich zweifle daran, aber Tatsache ist, dass ich halt am Ende war. Ich hatte meine Matratze im Mund. Versucht jemanden mit einer Matratze im Mund klar zu machen es ist vorbei, der zeigt euch den Vogel!... Denke ich. Bisher habe ich noch nie ausprobiert und bei mir versuchte es auch keiner. Schade drum. Dabei braucht die Wissenschaft Erfolge wie diesen.

Drei Stunden später war es so weit. Ein weiblicher Polizist, schmal, gut gebaut und grob geschätzt Ende ihrer 20ziger, und ein männlicher Polizist, gebaut wie ein Bär, der der Meinung war mir ein paar Tipps in Sachen Frauen geben zu müssen als wir noch in der Vorhalle waren, führten mich in den Gerichtssaal und zu meinem Platz. Da saß dann auch schon mein Anwalt. Der Stress stand ihm im Gesicht geschrieben. Mir anscheinend auch, denn ansonsten fiel mir kein Grund ein wieso er den Kopf schütteln sollte als ich ihm entgegen kam. “Warum eine pinke Krawatte? Du hattest die Möglichkeit dir deinen besten Anzug aus deiner Wohnung holen zu lassen und du nimmst eine pinke Krawatte?”, flüsterte er mir zu als die Richterin auch schon die Verhandlung einläutete. Es war schlicht und einfach meine einzige Krawatte. Jetzt ist sie das nicht mehr. Ich habe mir noch eine mit Luftballons gekauft, sollte ich mal jemanden mit Kindern besuchen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine wahre Legende angefahren. Ernsthaft, hatten die Gerichtslegenden nichts besseres zu tun als einen angeblichen Vergewaltiger und Mörder fertig zu machen?! ... Vergesst das wieder. Mir fällt im Nachhinein auf wie dämlich das geklungen haben musste. Ihr Name: Sunny Valentine und schon ihr Blick strahlte Hass aus. Ich fühlte mich aber ständig so als würde sie nicht mich ansehen sondern das Mädchen hinter mir. Vielleicht war es auch kein Hass, sondern mehr Lust. Muss ich anmerken wie eng meine Hose wurde? Es ging also los. Ich bin kein guter Zuhörer, deswegen ging die Verhandlung ziemlich an mir vorbei. Bis zu meiner Zeugenaussage, denn mir selbst höre ich sehr gerne zu. Ich bin ein guter Redner müsst ihr wissen. “Also, Herr Adrian Shai, ist das richtig?”, fragte die Richterin, kurz bevor sie mich bat den Schwur nur die Wahrheit zu sagen zu leisten. Pff, als würde ich jemals lügen. Ich antwortete also mit meiner unglaublich männlichen Stimme, die alle Frauenherzen im Raum, bis auf das der Staatsanwältin, welche immer noch nur noch das Mädchen hinter meinem Sitzplatz im Auge hatte, höher schlagen ließ: “Ja das stimmt.” “Und sie plädieren auf unschuldig?” “Auch das stimmt.” “Dann erzählen sie uns mal ihre Ansicht der Geschichte. Sie erwähnten eine Alibi, das wäre?” “Ich war in der Bar einer Freundin von mir, sie haben sie bereits vernommen.” “Ja, Frau Phoe, ich habe es hier vorliegen. Fahren wir also fort...” Meine Muskeln legten ihre Anspannung und ich atmete tief durch. Ohne eine Schusswaffe in meiner Hand komme ich nicht gut mit großen Menschenmassen klar. Ich wollte schon fast einen Glücksschrei ausstoßen, als es passierte. “Einspruch!”, rief die Staatsanwältin. “Das ist eine ganz klare Falschaussage. Frau Phoe kann ihr Alibi gar nicht bestätigen, sie war zu der Tatzeit in Begleitung unterwegs.” Mehrere Fragen rasten durch meinen Kopf. Müsste ich nun sterben? War alles umsonst gewesen? Wieso habe ich nicht Larto um ein Alibi gebeten? Aber zum Glück war ja mein Lieblings Anwalt zur Stelle. “Stoppen sie diese Farce”, rief er und ließ nun schon zum zweiten Mal an diesem Abend alle Frauen im Publikum nach ihm und meiner Einer lechzen. Wie kann man jemanden wie mir auch wiederstehen? ... Ach ja, genau, ich war bei der Gerichtsverhandlung. “Mir liegt keine Aussage vor, die eine Abwesenheit von Frau Phoe am Tag der Tat nachweist.” “Tut mir Leid, mir auch nicht, Frau Valentine”, fügte die Richterin hinzu. Mein triumphierendes Lachen musste aber noch warten, denn die Staatsanwältin war ziemlich hartnäckig. “Ich weiß”, sagte sie. “Ich wusste bisher selbst noch nichts von Phoes Verstrickung in diesen Fall, also verschwieg ich dass ich mit ihr zusammen ausgegangen war.” Plötzlich kamen mir meine Fantasien über die Frau Anwältin und das Mädchen hinter mir um einiges logischer vor. Aber das war auch der einzige Gedanke, den ich fassen konnte bevor das Chaos ausbrach. Eine alte Bekannte von mir, die Frau im weißen Arztkittel hatte sich aus einer der Sitzrehen ganz hinten erhoben und ungefragt das Wort an meinen Todesengel, alias Sunny Valentine, gerichtet: “Was?! Du sagtest ich wäre die einzige für dich!” Ein weiteres Mal verspürte ich den Drang mir Jogginghosen anzuziehen. Dabei blieb es aber nicht. Jede dritte Frau im Raum stand auf und beschwerte sich über die Situation. Ich konnte nicht anders als mich für meine wenigen sexuellen Erfolge bisher schämen. Diese Anwältin hatte mit fast viermal so vielen Mädchen geschlafen wie ich! Lange Rede, kurzer Sinn, springen wir zum Ende der Verhandlung. Für Fans meiner Person wird das als Schock kommen, aber meine männliche Präsenz war nicht genug gewesen um die Richterin zu überzeugen. Vielleicht wäre die Strafe milder ausgefallen wäre ich nicht in ihre favorisierte Bäckerei reingeknallt? Vielleicht wäre die Strafe auch milder ausgefallen hätte ich ebenfalls “Spaß” mit der Staatsanwältin gehabt. Wer weiß das schon. Alles lief jedenfalls auf etwas ... Unerwünschtes heraus. “Todesstrafe?! Das kann nicht ihr ernst sein!”, rief mein Anwalt verzweifelt. Ich verstehe ihn. Er hatte so sehr versucht alles auf Lebenslänglich zu lenken, ich sollte ihm dankbar sein. Ich denke das kommt jetzt unerwartet, aber ich hasse mein Leben, wisst ihr das?

Was tut man also, wenn man lustiger Weise am 1. Januar sterben muss? Ich hatte keine Ahnung, also tat ich das Selbe, das mir auch in den Sinn kam als ich Scrubs verpasst hatte: Auf meinen Anwalt warten. Es gab nicht wirklich noch etwas, was er tun konnte, was nicht nur er mir schon übers Telefon versicherte, sondern auch seine Frau, mein Zellengenosse, der Polizist, der es nun aufgegeben hatte mich zu verkuppeln, und seine Partnerin. Wirklich tolle Neujahrs-Feierlichkeiten lagen da vor mir. In meiner Zeller verrotten, sterben und begraben werden. Beinahe wie mein letztes Weihnachten, nur mit ein bisschen mehr Tod. Meine Beziehung mit dem Tod war bis zu diesem Zeitpunkt so eine Sache. Ich wusste das es ihn gab, er wusste, dass er mich irgendwann holen muss, aber wir schafften es all die Jahre in denen ich angeschossen, angebrannt, von Kugeln gestreift und beinahe Haien vorgeworfen wurde verpassten wir uns jedes Mal knapp. Damit war ich zufrieden, er aber scheinbar nicht. Hier möchte ich noch mal versichern, dass ich niemanden vergewaltigt habe und die zwei Leute, auf die ich schon mal geschossen habe sind durchgekommen. War der Tod deswegen wütend auf mich? Wollte er dass ich mehr Leute umbringe? Vielleicht hätte er mir dann einen Waffenschein besorgen sollen! Also wirklich, diese übernatürlichen Wesen heutzutage. Wäre ich der Tod wäre alles anders.

Nichts desto trotz kam also mein Anwalt und wir saßen uns auf beide Seiten des kugelsicheren Glases und stoßen symbolisch auf die guten alten Zeiten an. Mal ehrlich, er hätte mir auch gleich meine Grabesblumen zeigen können, denn anders kam diese Geste nicht rüber. Er sagte mir immer und immer wieder er würde sein bestes geben um das Gericht noch mal umzustimmen, was mich dazu brachte darüber zu grübeln wer hier eigentlich trauriger über meinen Tod war. Gut, ich hatte am Morgen einige Male meinen Kopf gegen die Wand geschlagen um aus diesem Albtram aufzuwachen, aber ich nahm die Sache ein wenig realistischer. Ich wusste man könnte nichts mehr tun und sah die Sache so klar wie möglich: Ich musste wohl sterben. Ja, ja, das ist eine Lüge, ich weiß es. Ich plante schlicht und einfach meinen Ausbruch oder hatte besser gesagt jemanden angerufen, der mir dabei helfen würde.

Mitternacht, draußen waren die üblichen Nachtgeräusche zu vernehmen. Eine Eule, eine Grille, ein Jumbojet und ein Zug. Der Zug war mein Zeichen. Ich stand auf rieb mir die Augen. Ein Glück hatte man mich in eine Einzelzelle verlegt. Einem Mörder wollte ich schließlich nicht beim Ausbruch helfen. Ich sah auf die Uhr - 3... 2... 1... Es raschelte vor meinem Fenster. Etwas oder besser gesagt jemand robbte über das Gras. Ich sah aus dem Fenster. In der Ferne war schon der Fluchtwagen erkennbar. Dann passierte es, meine idiotische Ausbruchshilfe zog sich mit einem Ruck an den Gitterstäben hoch und sah mir in die Augen. Mein Herz blieb stehen und ich musste mich erst mal am Tisch festhalten. Der Kerl hatte mir fast nen Herzinfarkt beschafft! Er klopfte zweimal gegen die Wand, was so viel hieß wie “Bereit?”. Ich klopfte zurück und sagte damit so was wie: “Sicher doch.” Er schien nicht zu verstehen und wiederholte die Prozedur. Ich eben so. So ging es dreimal weiter, denn wir hatten nicht wirklich über Zeichen gesprochen und mussten mehr oder weniger raten, was der andere meinte. “Ja verdammt”, flüsterte ich. Diesmal verstand er. Er brachte zwei Sprengladungen an meiner Zellenwand an und ging ein paar Schritte zurück. Genial wie ich halt bin tat ich das Selbe. Klick. Die Wand flog in die Luft und auch der Gerfängnisszaun, wie man es unschwer erkennen konnte. Wir rannten wie von der wilden Tarantel gestochen. Jeder andere hätte wohl das Selbe getan würden ihm Wachhunde auf den Fersen kleben und ihre Zähne gefährlich nah an seinem Bein hängen. Bei dem Fluchtwagen angekommen sprangen wir auf die Stoßstange und fuhren in den Sonnenaufgang. Man hätte es als romantisch bezeichnen können hätten wir Freundinnen und wären nicht zwei Polizeiwagen hinter uns her. So war es wenn man etwas von Poli planen ließ. Es hat das geplante Ende, doch der Weg variiert zwischendurch. Eine Straße mitten im Ödland auch. Hätte ich mich nicht mit meinen Fingernägeln am Lack festgekrallt wäre ich auf die Straße geflogen und von einem der LKWs, an denen wir mit einem Affenzahn vorbei fuhren, erfasst und zerschmettert worden. So wie die beiden Polizeiwagen. Flucht geglückt.

Keine Sorge, die Fahrer der Wagen leben und ihre Mitbringsel, die Hunde, auch. Das sagte mir die Zeitung, welche ich am nächsten Tag glücklich grinsend bei dem Verzehren eines Crosseins las. Muhahaha, denen hatte ich es gegeben. Ein Problem gab es da immer noch. Ich musste den wahren Verbrecher finden! Etwas anderes ließ meine Ehre als Detektiv nicht zu! Oh, und ich wollte nicht wieder ins Gefängnis. Alles war mir lieber als der Tod auf dem elektrischen Stuhl. Alles außer dieses ekelhafte Crosseins. Das Kaffee, das ich mir ausgesucht hatte, war wirklich grässlich. Die Kellnerin allerdings ganz lieblich. Ich leibe mein Leben, wenn ich es nicht gerade hasse.
Teil 1: Ende
Teil 2 kommt am Neujahrmorgen (hoffentlich)
Btw. bin ich sehr dankbar, wenn jemand mein Yoshi klickt =O!


RE: [RB-Fiction] Der RB Krimi (Ab 12 Jahren freigegeben) - Shai - 31.12.2009

Teil 2
Ganz unten an der Nahrungskette der Großstädte angekommen blieb mir nichts weiter übrig als mir Hilfe bei meines Gleichen zu suchen. Mein Trip durch die dunklen Gassen zwischen Hochhäusern und Fabriken führte mich zu einem alten “Freund” von mir. Er hatte damals als Informant für die Polizei gearbeitet als ich noch im aktiven Dienst war, doch wendete er sich der Gerechtigkeit wieder ab. Ein finsterer und überaus gewiefter Geselle, der mir jedes Bild, das ich mir von ihm machen konnte, Sekunden später schon wieder zerstört hatte. Seine freundliche Ausdrucksweise passte so wenig zu einem Mann seines Geschäftes, dass mich jedes Mal ein Gefühl von Unsicherheit überkam wenn ich mit ihm sprach. Hier ging es aber um meine Freiheit und meinen mittelmäßig bis schlechten Ruf, so entschied ich mich dafür meine Grenzen zu überschreiten und ihn in seiner Domäne aufzusuchen: Die Kneipe zum tanzenden Wildschwein.

Schon als ich die Gaststätte betrat überkam mich dieses komische Gefühl einer schlechten Vorahnung, so bestelle ich nicht das “Tages-Spezial” sondern eine einfache Bockwurst mit Pommes. Selbstverständlich hätte auch die Wochensoße eine Falle sein können, weswegen ich weise wie ich bin Ketchup gewählt habe... Wem mache ich etwas vor, der Laden sah so aus wie jeder andere und es gab keinen Grund zur Besorgnis. Selbst das mit den dunklen Gassen stimmte nicht ganz. “Zum tanzenden Wildschwein” liegt am Highway und wird Tag ein Tag aus von einem Lidl-Reklameschild beleuchtet. Wenn ein Informant an so einem Ort arbeitet nimmt das dem Fall schon die Würze, das muss ich sagen. Apropos Würze, die Bockwurst dort ist sehr zu empfehlen.

Mit meinem wachsenden Gefühl der Sicherheit wurde ich auch unaufmerksamer, was dazu führte, dass ich die zu Treffende Person erst gar nicht bemerkte. Direkt vor mir stand er in seinem auffällig blauen Jackett: Yuan, mein Informant. “Du wirst gesucht”, informierte er mich mit mich verspottenden Unterton. “Ich weiß”, antwortete ich gleichgültig. “Ist der Platz hier besetzt”, fragte er und deutete auf den Stuhl neben meinem. Auf eine Antwort wartete er aber nicht, sondern setzte sich einfach hin. Was hätte ich auch sagen soll? Das Treffen mit ihm war einfach eine Notwendigkeit. “Du wolltest mich sehen?”, sagte er. “Dann kommst du wohl wirklich nicht mehr alleine weiter.” Er kannte mich gut und traf genau ins Schwarze. Diesen Sieg wollte ich ihm aber nicht gönnen. “Eigentlich habe ich es bisher noch gar nicht alleine versucht”, log ich. “Es ist gar nicht nach dir aufzugeben bevor du es überhaupt versucht hast”, bemerkte er nachdenklich. Meine Lüge war wohl ein Sprung in das Katzenklo gewesen. “Was weißt du über...”, versuchte ich die Sache hinter mich zu bringen, wurde aber sofort von Yuan unterbrochen. “Was ich über “deinen” Mord weiß? Es war kein Wiederholungstäter, so viel solltest du schon in Erfahrung gebracht haben. Über den Täter kann ich dir also nicht viel sagen... Das Opfer aber wurde schon öfters hinten im Hafenviertel gesehen”, erhielt ich meine Antwort ohne meine Frage zu Ende gebracht zu haben. “Drogenabhängige?”, zählte ich 1 und 2 zu 3 zusammen. Yuan blieb erst einmal völlig still, nickte aber dann nachdem er sich noch einmal versichert hatte, dass niemand uns zusah.

Ich bezahlte mein Essen und rief mir ein Taxi. Mein Gesicht verhüllte ich mit Hilfe meines weiten Jackenkragens und einer Sonnenbrille. Yuan war doch vertrauenswürdiger als erwartet. Er hatte mich bevor ich den Laden verließ noch darauf hingewiesen, dass ich in den Abendnachrichten gewesen wäre und ab jetzt jeder auf der Straße sich an mein Bild im Fernsehen erinnern könnte. Mir lief die Zeit davon. Während der Fahrt sah ich auf meine Uhr: Noch eine Stunde bis Neujahr. Das Gefährt stoppte, ich bezahlte und stieg aus. Der kalt Wind fuhr durch mein ausdrucksloses Gesicht und auf einen Schlag wurde mir kalt, da halfen auch die Thermounterhosen nichts. Mit jedem Schritt näherte ich mich den Docks und damit meinem ersten Anhaltspunkt. Mein Informant hatte mir LagerhausNr. 13 ans Herz gelegt. So eine passende Nummer. Wir leben in einer Welt, die sich den Idealen der Menschen anpasst. Wenn wir glauben etwas bringt Unheil sieht es auch danach aus und glaubt mir, das tat dieses Gebäude. Selbst der Regen setzte zeitnahe ein. Vorsichtig griff ich nach der Tür, offen, mein Glück war mir hold. Ich ging hinein.

Die Halle war völlig leer. Kein Anzeichen von irgendwelchen illegalen Aktivitäten, kein Anzeichen von Dealern, niemand der mir weiterhelfen könnte. Entweder hatte Yuan mich aufs Ohr gehauen oder meine Tanzpartner hatten die Stelle schneller geräumt als er es hätte erwarten können. Ich entschied mich für Variante Nummer 2, da ich ihm nichts bezahlt hatte, hatte er auch keinen Grund mich abzuziehen oder mir falsche Informationen anzudrehen. Nichts desto trotz blieb mir nun kein Ausweg mehr. Ich konnte wegrennen, na gut, aber für wie lange? Meine letzte Option: Die Angehörigen ins Kreuzverhör nehmen.

Ich zückte mein Handy und betete dafür trotz des Sturmes Empfang zu kriegen. Es klingelte. “Polizeistation, Mordkommission, Verwaltungsbüro, hier Lucas Larto, wie kann ich helfen”, fragte mich die einzige Stimme, die ich nun hören wollte. “Larto...”, fing ich an. “Leg auf.” Man hatte mich wieder einmal unterbrochen. “Wenn die dich finden bist du tot, zieh Leine.” “Du weiß, dass ich das nicht kann”, antwortete ich und wusste er würde mich verstehen. “Ich leihe dir das Geld für die Bahn”, okay, er hatte mich nicht ganz verstanden. “Leg auf.” Es klingt immer absurd wenn jemand versucht zu flüstern aber fast schreit. “Larto, ich brauche den Wohnort der Angehörigen des Opfers”, klärte ich ihn über die Beweggründe meines Anrufes auf. Er schwieg und sah tat ich es. Nach fast 10 Sekunden ohne auch nur einen Atemzug antwortete er: “Ich schicke dir eine Liste von Zeugen und Angehörigen auf dein Handy. Du hast Glück, dass ich dir deine Unschuld abkaufe. Umbringen, vielleicht, aber du bist zu tollpatschig um jemanden zu vergeh...” “Danke Larto.” Ich legte auf.

Ein paar Minuten später war alles, was ich brauchte, auf meinem Handy. So viele Namen, so wenig Zeit. Ich konnte nur einen Menschen aus dieser ganzen verfluchten Liste besuchen gehen, denn wenn ich von diesem abhauen würde wäre die Polizei mir auch schon auf den Fersen. Ich fuhr mir langsam und nachdenklich durch meinen imaginären Bart. Da traf es mich wie der Blitz. Nur ein Mensch konnte es gewesen sein. Es war so simpel. Wer sonst außer der einzige Mann mit dem selben Alter der Frau würde Sex mit ihr haben wollen? Sie war nicht sonderlich attraktiv gewesen, wie mir Bildern bei der Verhandlung gezeigt haben, so war ich mir sicher, dass es kein Außenstehender gewesen sein könnte, der auf ihren Körper aus war. Das Gericht denkt zu sehr mit dem Kopf und vergisst seine Augen leider ständig. Ihr Arbeitskollege war der Mörder, er musste es sein. Meine Nase hat mich in meinem Leben schon oft im Stich gelassen. Meine Ohren lassen mich täglich im Stich und ich habe die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches, doch meine Augen sind 1A!

Konnte ich ein weiteres Taxi riskieren? Mir blieb nichts anderes übrig. Da mein Handy sich nachdem die Blitze dann doch nicht aufhören wollten dafür entschieden hatte aufzuhören zu funktionieren musste ich mich in eine Telefonzelle schieben und mir dort eines rufen. Mit ein bisschen Verspätung kam es an und ich stieg ein. Anstatt schnell zu machen, worum ich die Fahrerin, eine Frau Namens Marissa, die nichts lieber tat als mir die volle Fahrzeit von ca. 15 Minuten von ihrem Verlobten, irgendeinen Typen, den sie einfach nur “Ihren Engel” nannte, zu erzählen, schien sie extra langsam zu machen. Irgendwie kam ich aber an und bezahlte die Dame dann auch. Ein bisschen Trinkgeld ließ ich auch springen, würde ich sterben könnte die Telefonrechnung ja sowieso noch warten. Hektisch lief ich durch die Flure und über die Treppen des Hochhauses bis ich im 15ten Stock ankam. Warum der Aufzug gerade an Neujahr außer Betrieb sein musste weiß nur Gott. Anstatt anzuklopfen trat ich wie in einem alten Film die Tür ein. Manchmal müssen sich auch zum Tode verurteilte Detektive toll fühlen. Vor mir saß er am Tisch und aß das Gebäck des Grauens, ein Baguette. Er sah mich an und lächelte. “Sie müssten doch eigentlich auf ihren Tod warten”, stellte er fest. “Sie auch”, antwortete ich schlagfertig. Wir lachten. Dann ging es schnell. Ich rannte los, nahm ihn in den Polizeigriff und hielt ihm den Mund zu. “Sie haben sie umgebracht!”, schrie ich, in der Hoffnung die Nachbarn wären zu sehr mit Feierlichkeiten beschäftigt. Der eingeschaltete Fernseher des Wohnzimmers fing mit dem Countdown zum neuen Jahr an. 30... Ich hörte Schritte im Treppenhaus. 29... “Vielleicht, vielleicht auch nicht”, spielte er mit mir. Wer auch immer dort die Treppen hoch rannte, er wollte zu mir. 28... “Ich bring sie um!” Ich verlor langsam die Kontrolle und fing an ihm zu drohen. “Ohne Beweise haben sie schon verloren.” 27... Polizisten kamen hinein und richteten ihre Waffen auf mich. “Hoch mit ihnen und lassen sie den Mann in Frieden!”, schrie ein alter Bekannter von mir. Niemand anderes als einer von Lartos Arbeitkollegen, den ich damals auf seinem Geburtstag kennen gelernt hatte, Björn Legend, treffender Name. Neben ihm jemand den ich entfernt als Sebi in Erinnerung hatte. Wahrscheinlich war er auch auf Lartos Geburtstag. Unterstützung bekamen die beiden von Verkupplungsmeister, Officer Bär. 26... “Sie müssen mir glauben, der Kerl hier hat sie umgebracht”, flehte ich sie an. Ich war verzweifelt, okay? 25... “Deine Lügen haben schon Larto dazu gebracht dir zu helfen, weswegen er nun wegen Mithilfe vors Gericht kann!”, klärte mich der sehr wütende Officer Legend auf. 24... Ich hatte also einen meiner besten Freunde mit hinein gezogen.

Ich richtete mich auf und ließ meinen verdächtigen Nummer 1 los. 23... 22... “Sie können mir also nicht glauben, huh?”, fragte ich den mir feindseligen Polizisten. 21 ... “Nein, sehen sie in den Spiegel und sagen sie mir sie könnten diesem heruntergekommenen Detektiv etwas glauben”, schoss von ihm aus ohne mit der Wimper zu zucken zurück. 20... Die beiden andere Polizisten wichen meinen Blicken aus. 19... Ich tat wie mir befohlen. Legend hatte Recht. Ich war nichts weiter als ein heruntergekommener Detektiv mit seinem zwangsgeräumten Büro neben einem Center für plastische Chirurgie, den das Glück entgültig im Stich gelassen hatte. 18... Mir fiel keine schlaue Antwort mehr ein, kein gewieftes Kommentar, nichts. 17... Der Boden sah nach einem gut Platz aus um meinen Blick zu fangen. 16... Ich kratzte mich eingeschüchtert am Kopf. 15... “So ist’s gut, bringen sie diesen Irren weg!”, hetzte der wahre Mörder. 14... Da dämmerte es mir. 13... Zwar war ich ein drittklassiger Detektiv, dessen einzige Aufgaben daraus bestanden verlorene Hunde zu finden und Ehemänner zu beschatten, doch war ich auch etwas anderes. Irre. Während die Uhr sich weiter dem neuen Jahr näherte rannte ich los und trat diesem Mistkerl von falschen Zeugen erst einmal in seine Weichteile. Unerwarteter Weise standen die Polizisten nur verdutzt da und sahen mir dabei zu. Es könnte nur Einbildung gewesen sein, doch bildete ich mir ein dass mein Liebesengel in Uniform sogar leicht lächelte und der Polizist dessen Namen ich schon wieder vergessen hatte nickte mir zu. “Wollt ihr nicht schießen?”, fragte ich sie leicht verwirrt. Sie nicht, dafür aber der wahre Mörder, welcher mir nachdem seine Weichteile aufhörte wehzutun eines mit seiner Stehlampe über zog. Ich muss nicht sagen, dass ich blutend zu Boden ging. Mit halboffenen Augen sah ich noch wie irgendwer in blau einen Krankenwagen rief. Wollten sie sich tatsächlich die Mühe machen jemanden, der sowieso in ein paar Stunden hingerichtet werden würden noch mal zusammen zu flicken? 1.. 0

Begleitet von Sirenen und knallenden Feuerwerksraketen wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Was für ein merkwürdiges Ende für ein Geschichte das auch sein mag, als ich wieder zu mir kam erzählte mir mein persönlicher Todesengel, Frau Sunny Valentine, dass man für mich ein Alibi gefunden hätte und es daher Nachverhandlungen geben müsste. Als ich fragte wer dieses Alibi denn wäre antworteten sie mit “Yuan”, was mich zum lächeln brachte, wenn ich mir auch nicht ganz sicher wahr ob ich tatsächlich was mit ihm zusammen gemacht hatte oder nicht. Ich war an dem Abend ziemlich betrunken gewesen müsst ihr wissen. Für heute konnte ich den Fall abschließen, doch es war noch nicht vorbei!

“Warum erzählen sie mir das alles?”
“Sie sind Krankenpfleger, sich meine Geschichte anzuhören ist die beste Pflege, die ich kriegen kann.”
“... Kann ich einfach ihren Verband wechseln?”
“Ich würde bevorzugen, wenn das die Krankenschwester tun würde.”
“Sie haben nicht viele Freunde, oder?”
“Sie wären überrascht.”