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[TC2] Trio III - Twain Moon - Druckversion

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[TC2] Trio III - Twain Moon - Black-Cat - 19.10.2010

[Bild: lunabanner.png]

Und da war ich. Ein kuppelförmiges Observatorium auf dem Dach eines Hochhauses. Es hatte früher meinem Vater gehört. Er hatte sich schon seit seiner Kindheit für die Sterne und den Mond interessiert. Dies hat ihn auch dazu geführt meine Mutter, eine Frau der Rasse Lunarian, zu heiraten. Die beiden hatten zusammen drei Kinder gezeugt. Ich, Luna, war die einzige, die das Lunarian Blut meiner Mutter erbte. Ich trat jedoch auch als einzige in die Fußstapfen meines Vaters und interessierte mich bereits als Kleinkind für die Lichter des Nachthimmels.
Nachdem mein Vater vor einigen Jahren starb, war meine Familie schnell auseinander gebrochen. Meine kleine Schwester war entführt worden, meine Mutter war aufgrund des Schocks krank geworden und hatte seitdem das Krankenhaus nicht mehr verlassen und mein großer Bruder, der mit all dem nichts mehr zu tun haben wollte, hat uns verlassen. Ich war als einzige hier in unserer Wohnung zurückgeblieben und kümmerte mich auch um das Observatorium.
Ich hatte gerade den Mechanismus gestartet, der das Teleskop ausfahren würde und war hinunter in die Wohnung im höchsten Stock des Hochhauses gegangen, wo ich lebte. Ich bereitet mir dort einen Kaffee zu, um dann eine ungestörte Nacht mit den Sternen verbringen zu können.

Als ich zurück in das Observatorium kam sah ich empor zu der Spitze des nun ausgefahrenen Teleskops. Dort im Licht des fahlen Mondlichts saß ein mir bekanntes Mädchen.
„Hey, willst du nicht lieber runter kommen?“ rief ich ihr zu, woraufhin sie ihren Blick mit einem schwachen Lächeln zu mir wandte.
Die aschgrauen Flügel am Rücken des Mädchens breiteten sich aus und sie schwebte langsam zu mir herab ins Innere des Observatoriums.
„Nur eine Tasse?“ fragte sie verwundert, als sie gelandet war.
Ich erklärte ihr, dass ich sie nicht erwartet hatte und ließ sie kurz alleine um eine zweite Tasse Kaffee und einen Teller selbst gemachter Kekse zu holen. Als ich zurück kam blickte sie bereits durch das Teleskop.
„Bin wieder da.“ ließ ich sie wissen und stellte den Keksteller und den Kaffee auf einen nahen Tisch. Sofort kam sie zu mir und schnappte sich einen der Kekse vom Teller.
„Aaah, Luna, wunderbar~“ gab sie genüsslich von ihr, als sie einen Biss davon nahm.
Ich lächelte schwach und nahm mir selbst auch einen.

So seltsam es sein mag, der Name dieses geflügelten Mädchens war ebenfalls Luna. Ich hatte sie eines Tages kennen gelernt, nicht ungleich wie wir uns heute getroffen hatten. Sie war ein Engelsmutant und schon einige tausend Jahre alt - so sagte sie es zumindest, ihrem Aussehen nach könnte man es nicht beurteilen. Sie war genauso interessiert an den Sternen wie ich und wir waren recht schnell beste Freunde geworden.
„Irgendetwas Neues von deinen Geschwistern?“ fragte ich sie dann, da sie mir beim letzten Mal erzählt hatte, ihre Bruder und ihre Schwester, beide lange tot jedoch mit ihren Seelen noch in dieser Welt, seien verschwunden.
Zögerlich nickte das Engelsmädchen.
„Sie sind endlich, wo sie hingehören…“ erklärte sie mit einem sichtlich erzwungenen Lächeln auf ihren Lippen.
Um nachzusehen, ob ich dies richtig verstand, deutete ich mit meinen Zeigefinger zum Nachthimmel empor. Sie nickte leicht.
„Wie ist das passiert? Du hattest sie doch für so lange davon abhalten können.“
Der Engel hatte die Fähigkeit die Seelen von Toten in dieser Welt fest zu halten. Sie hatte dies an ihren Geschwistern angewandt, um mit ihnen weiterleben zu können. Ihre Familie war sich wohl näher gestanden, als die meine.

Bei meiner Frage versank meine Gesprächspartnerin in Gedanken und erklärte mir, was sie eine gute Woche zuvor erlebt hatte. Sie hatte die Spuren ihrer Geschwister in das Haus einer Exorzistin verfolgt. Dort hatten die beiden gedroht, den Freund der Exorzistin zu ermorden, um diese dazu zu bringen, sie zu exorzieren.
Es war eine makabre Idee gewesen, doch als Luna erkannt hatte, dass sie an allem schuld gewesen war… dass sie ihre Geschwister davon abgehalten hatte in den Himmel aufzufahren und sie somit zu solchen Verzweiflungstaten getrieben hatte, entschied sie sich ihre Fähigkeiten aufzuheben und ihren Geschwistern das Nachleben zu eröffnen.
Der Freund der Exorzistin, so erzählte sie, hatten ihr sehr imponiert. Er hatte eine genaue Ahnung davon, was es bedeutete, nach dem Leben als Geist auf der Welt herum zu spuken. Er schien genau zu wissen, dass Geister nur dann existierten, wenn sie noch etwas Wichtiges in diesem Leben zu erledigen hatten. Luna hatte verstanden, dass ihre Fähigkeiten diese Regeln gebrochen hatten und hatte sich geschworen, sie nie wieder einzusetzen.
Es machte mich etwas traurig dies zu hören, denn ich hatte ihre Geschwister kennen lernen dürfen. Es war immer ein Spaß mit ihnen gewesen, da wir nicht wussten, wie es die beiden in deren Inneren geschmerzt hatte, hier gefangen zu sein. Sie hatten es ihrer Schwester nichts sagen wollen, denn das wäre gewesen als hätten sie gesagt, sie wollten nicht mehr mit ihr zusammen sein.
„Sie haben gesagt, sie würden auf mich warten.“ erklärte Luna mir. „Da oben.“
Ich blickte zu den Sternen empor und lächelte schwach.
„Auch deine Zeit wird einmal kommen, aber bis dahin…“
Mit diesen Worten erhob ich mich von dem kleinen Tisch und begab mich zu meinem Teleskop.
„Bis dahin sollten wir das Leben genießen, das wir haben.“

Nach diesem Gespräch wechselten wir uns ab um durch das Teleskop zu sehen, sahen sogar eine Sternschnuppe, tranken mehr Kaffee und aßen noch mehr Kekse, bis wir schließlich einschliefen und bis in den frühen Nachmittag des nächsten Tages im Land der Träume wandelten.
Als ich schließlich wieder aus meinem Bett gekrochen war und auf die Uhr gesehen hatte, hatte ich mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen können. So spät war ich lange nicht mehr aufgewacht.
Auf einem immer noch verschlafenen Spaziergang durchs meine Wohnung fand ich auch meine engelsgleiche Freundin, welche schon seit einer guten Stunde wach war. Nicht untätig hatte sie sich bereits gewaschen und Frühstück gemacht. Nun saß sie am gedeckten Küchentisch und hielt in ihren Händen einen ungeöffneten Briefumschlag und sah zu mir auf, als ich herein kam.
Meine Augen weiteten sich beim Anblick des weißen Papierumschlags.
„Was ist das?“ kam es mir verwundert über die Lippen, als hätte ich noch nie einen Brief gesehen.
„Ein Brief… wie altmodisch.“ erwiderte mir Luna darauf hin und drehte den Umschlag in ihren Händen. Ich sah ihr an, dass sie ihn unbedingt aufmachen wollte.
Schulterzuckend drehte ich ihr den Rücken zu und ging mich duschen. Gerade als ich endlich begann unter dem Schauer kühlen Wassers aufzuwachen, stürmte Luna dann plötzlich ins Bad.

„Luna, dieser Brief!“
Sofort schwang ich mir ein Handtuch um und sah genervt zu meiner Freundin.
„Kann das nicht warten!? Und du hast ihn aufgemacht? Hast du noch nie vom Briefgeheimnis gehört!?“
„Du kennst das Briefgeheimnis aber hast keine Ahnung was ein Brief is-“
„Ich war müde, okay?!“
„Äh, ja, beruhig dich. Er ist an „Luna“ adressiert, also dachte ich mir, ich könnte ruhi-“
„Aber meine Adresse!“
„Nein, da steht keine Adresse drauf.“
„Was meinst du mit ‚keine Adresse‘?!“
Mit einem Sprung riss ich dem Engelsmädchen den Brief und -umschlag aus der Hand und begutachtete diese selbst. Auf dem Umschlag stand tatsächlich nur mein Vorname und sonst nichts. Der Brief selbst barg auch keine genauere Adressierung.
„Was zur, aber wie ist der dann hier angekommen?“ fragte ich verwirrt.
„Persönliche Zustellung…? Was weiß ich, lies, lies!“
Luna kam mir näher, riss mir den Brief aus den Händen und hielt ihn mir direkt vor die Nase. Ich wunderte mich warum sie so einen Aufstand darum machte und war genervt davon. Mit einer weiteren schnellen Handbewegung schob ich sie aus dem Bad und warf die Tür hinter ihr zu. Durch diese hindurch schrie ich ihr zu, sie sollte in der Küche warten. Mit einem lauten Stöhnen gab sie auf.

Absichtlich ließ ich mir extra viel Zeit und kam erst nach geschlagenen 15 Minuten zurück in die Küche. Griesgrämig darüber erwartete mich das Mädchen schmollend. Darüber amüsiert näherte ich mich ihr.
„So, jetzt gib mir den blöden Brief.“ sagte ich und nahm ihr das Stück Papier ab. Er war geschrieben wie folgt:

Sehr geehrte Miss Luna,

Ich freue mich Ihnen mitzuteilen, dass Sie ausgewählt wurden an einer äußerst wichtigen Versammlung teilzunehmen. Sie werden dort auf Personen Ihres Alters treffen, die das Selbe Schicksal teilen. Das Schicksal in The City’s Geschichte einzugehen.
Miss Luna, ihre Fähigkeiten sind uns bekannt, ihr Können, ihre Vorlieben, ihre Geschichte. Ich lade Sie daher als eine sehr herausragende Persönlichkeit ein, am ??.??.150000 das Restaurant, „Serras Saloon“ zu besuchen um zu sehen, ob sie dazu bereit sind, ihrem Schicksal ins Auge zu sehen.

Mit verbindlichsten Grüßen
Pleyod Elric

PS: Es gibt auch ein großes Festmahl und ihr Schicksal ist natürlich nicht verpflichtend.
PPS: Eine Karte mit der Wegbeschreibung zu Serras Saloon ist beigelegt.


Interessiert las ich mir den Brief drei Mal durch, bevor ich leicht verwirrt meinen Blick wieder Luna zu warf, welche mich erwartungsvoll anblickte.
„Du kannst da gerne hingehen. Ich bin nicht geschaffen für Menschenansammlungen.“ erklärte ich ihr, nach einer kurzen Pause, was das freudige Gesicht meiner Freundin wie einen Spiegel zerbrechen ließ.
„Komm, Luna, der Brief ist an dich gerichtet. Der will dich, nicht mich.“ protestierte sie sofort und stand auf. Ich schüttelte jedoch nur meinen Kopf.
„LUNA!“ sie packte mich an meinen Schultern und ich blickte ihr erschrocken in die Augen. So kannte ich sie gar nicht. „Du wirst dahin gehen. Du bist jemand Besonderes. Spring über deinen Schatten!“
„Das klingt alles verdammt wirr… der Brief, meine ich.“ erwiderte ich unsicher.
„Du klingst wirr! Warum würdest du überhaupt nachdenken? Du solltest dich freuen!“
Plötzlich öffneten sich meine Augen weit und ich riss mich von meiner Freundin los, plötzlich stieg ein Gedanke in mir hoch.
„Wieso bist du so scharf darauf, dass ich da hin gehe. Weißt du etwas davon!?“
„Ja!!“
Sie hatte schneller geantwortet, als sie es selbst gewollt hatte und hielt sich im nächsten Moment den Mund zu. Der erschrockene Blick auf ihrem Gesicht hätte mich beruhigen sollen, doch war ich gereizt und nicht in der Lage, zu überlegen.
„Was weißt du darüber?“
Sie wandte ihren Blick ab.
„Was!?“
Ich warf den Brief vor mir auf den Boden und näherte mich Luna mit einem Schritt.
„Pleyod Elric!“ schrie sie.
„Er ist der Nachkomme von einem der The City Safers!“ brach es dann plötzlich aus dem Mädchen hervor. Ich erstarrte und Zahnräder schienen sich in meinem Kopf zu drehen zu beginnen… Wenn meine Freundin wirklich so alt war, wie sie behauptete, konnte sie zur Zeit der The City Safers gelebt haben. Sie würde es womöglich wissen, wenn jemand ein Nachkomme dieser war. Das machte die Sache tatsächlich interessant… der Nachfahre eines The City Safers ruft eine Gruppe Jugendlicher zusammen… eine Gruppe Jugendliche… The City Safers… unmöglich…

Nach einer gefühlten Stunde Stille saßen wir beide am Küchentisch und versuchten, uns nicht anzusehen. Ich hatte verstanden, wieso Luna so aufgeregt war, doch ich teilte dieses Gefühl nicht mit ihr… wenn Pleyod Elric wirklich erneut eine Gruppe wie die The City Safers aufstellen wollte, was war der Grund dafür? Der reine Gedanke daran, dass erneut etwas diese Welt bedrohen könnte, machte mir Sorgen. Dass ich dagegen ankämpfen sollte… machte mir noch mehr Sorgen.
„Ich glaube an dich, Luna.“ hallte es mir plötzlich von der anderen Seite des Tisches zu.
„…ich werde es mir ansehen. Unter einer Bedingung.“
Der Engel horchte sofort auf. Ich hatte eine Entscheidung gefasst. Dies war etwas zu wichtiges, um es zu ignorieren. Ich musste es mir zumindest ansehen. Luna fragte mich nach meiner Bedingung und ich antwortete mit einem schwachen Lächeln.
„Bis ich zurück komme… pass bitte auf das Observatorium auf.“
…und so kam es dann auch, an dem Tag, an dem ich mich auf den Weg zu Serras Saloon machte, war Luna in meine Wohnung eingezogen mit dem Schwur, auf diese aufzupassen bis ich zurückkehren würde. Ich wusste was auf mich zu kam, doch versuchte es mir nicht anmerken zu lassen… Danke Luna, ohne dich wäre ich von meinem Schicksal womöglich davon gelaufen.